Aufsuchende Beratung am ALFA-Mobil

Was & Wo?
Das ALFA-Mobil ist deutschlandweit unterwegs, um Werbung für Lese- und Schreibkurse zu machen. Gemeinsam mit Kursanbietern vor Ort beraten die Projektmitarbeiter Erwachsene, die besser lesen und schreiben möchten, und informieren die Öffentlichkeit über Alphabetisierung und Grundbildung.

Warum?
Mehr als sieben Millionen Erwachsene haben so geringe Lese- und Schreibkenntnisse, dass sie kaum Texte lesen und schreiben können. Sie gelten damit als funktionale Analphabeten. Diese Größenordnung des funktionalen Analphabetismus in Deutschland wurde 2011 in der leo. – Level-One Studie der Universität Hamburg ermittelt. Lesen und Schreiben sind wichtige Grundkompetenzen, um am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. Privat schreiben Menschen täglich in sozialen Netzwerken. Es gibt kaum Berufe, in denen keine Lese- und Schreibkenntnisse benötigt werden. Betroffene arbeiten deshalb überdurchschnittlich oft in prekären Arbeitsverhältnissen mit geringem Einkommen und wenig Aufstiegschancen. Sie fühlen sich häufig gesellschaftlich ausgeschlossen und stigmatisiert.

Wofür?
Das Lesen und Schreiben kann auch im Erwachsenenalter noch gelernt bzw. verbessert werden. An Volkshochschulen und bei einigen privaten Anbietern sowie Vereinen werden Lese- und Schreibkurse für Erwachsene angeboten. Nicht mal ein Prozent der 7,5 Millionen Betroffenen lernt jährlich in diesen Kursen. Über typische schriftliche Mittel der Öffentlichkeitsarbeit wie Programmhefte und Flyer können sie kaum erreicht werden. Ein Großteil der Bevölkerung weiß, dass es Lese- und Schreibkurse gibt. Die wenigsten wissen aber, wie diese Kurse genau aussehen und was dort gelernt werden kann. Über (potentielle) Kursteilnehmer gibt es viele Vorurteile. Am ALFA-Mobil soll mit diesen Vorurteilen aufgeräumt werden.

In welchem Kontext?
Seit 2012 arbeiten zentrale gesellschaftliche Akteure in einer nationalen Strategie für Alphabetisierung und Grundbildung zusammen. Es können bereits gute Erfolge verzeichnet werden: In zahlreichen Projekten werden Maßnahmen ergriffen, um den Zielen der Strategie näher zu kommen. Bundesweit bilden sich regionale und lokale Netzwerke. Die Kampagne „Nur Mut! Der nächste Schritt lohnt sich.“ und das beim BVAG angesiedelte Projekt iCHANCE erreichen die Zielgruppe: In Zeiträumen, in denen die Kampagne aktiv in die bundesweiten Medien eingebunden ist, steigen die Anrufzahlen beim Beratungstelefon ALFA-TELEFON um mehr als das Dreifache.
2015 hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung eine Dekade für Alphabetisierung ausgerufen, um die Lese- und Schreibfähigkeiten von Erwachsenen in Deutschland deutlich zu verbessern.

Wie?
Mit dem ALFA-Mobil werden die Kampagnen nun durch aufsuchende Beratung unterstützt. Zusammen mit Bildungsanbietern informieren die Projektmitarbeiter die Öffentlichkeit und bieten eine niedrigschwellige Beratung für Betroffene. Hemmungen der Betroffenen können im persönlichen Gespräch abgebaut werden. Auch das mitwissende Umfeld wird erreicht: „Wir können Nachbarn, Freunden oder auch Ärzten und Chefs Tipps geben, wie sie Menschen ansprechen können, bei denen sie Probleme mit dem Lesen und Schreiben vermuten“, erklärt Projektleiter Tim Henning. „Die besten Botschafter für Kurse sind natürlich Kursteilnehmer selbst“, sagt Projektmitarbeiterin Agnieszka Jaworski. Deshalb werden viele der bundesweit geplanten ALFA-Mobil-Aktionen von (ehemaligen) Betroffenen begleitet. Besser lesen und schreiben zu können, steigert für viele von ihnen nicht nur die Arbeitsmarktchancen, sondern auch das Selbstwertgefühl.
Am ALFA-Mobil finden Sie Fachinformationen und Ansichtsexemplare von Unterrichtsmaterialien und leicht lesbarer Lektüre. Auf einer Leinwand laufen Spots und Reportagen zum Thema. Bei Tabu, Scrabble und Sprachrätseln können Besucher entdecken, wie viel Spaß Lesen und Schreiben bringen können, und dabei kleine Preise gewinnen. Kursleiter, Jobcenter-Mitarbeiter und alle weiteren Interessierten sind eingeladen, sich am ALFA-Mobil auszutauschen und lokale Ideen zu diskutieren oder Projekte anzustoßen.

Wer?
Träger des Projektes ist der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V. Der Verein bedient das aus TV-Werbespots bekannte ALFA-TELEFON und pflegt eine bundesweite Kursdatenbank. Darüber hinaus fördert er in zahlreichen weiteren Projekten das Lesen und Schreiben. Die Vereinsarbeit wird durch Mitgliedsbeiträge, Spenden sowie Verkaufserlöse finanziert. Ernst Klett Sprachen sowie zahlreiche weitere Kooperationspartner unterstützen den Verband. Das Projekt „Aufsuchende Beratung am ALFA-Mobil“ wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (Förderkennzeichen W139601).