Aufsuchende Beratung am ALFA-Mobil

Was & Wo?
Das ALFA-Mobil ist deutschlandweit unterwegs, um Werbung für Lese- und Schreibkurse zu machen. Gemeinsam mit Kursanbietern vor Ort beraten die Projektmitarbeiterinnen und Projektmitarbeiter Erwachsene, die besser lesen und schreiben lernen möchten, und informieren die Öffentlichkeit über Alphabetisierung und Grundbildung. Das ALFA-Mobil-Team bietet Aktionen mit einem reich bestückten Informationsstand an. Außerdem führen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ALFA-Mobils Sensibilisierungsschulungen zum Thema „Funktionaler Analphabetismus“ für Institutionen und Multiplikatoren durch.

Warum?
Mehr als sechs Millionen Erwachsene haben so geringe Lese- und Schreibkenntnisse, dass sie kaum Texte lesen und schreiben können (6,2 Mio. laut LEO 2018, der umfassendsten repräsentativen Studie zu Literalität von Erwachsenen in Deutschland). Sie gelten damit als funktionale Analphabeten. Diese Größenordnung des funktionalen Analphabetismus in Deutschland wurde 2011 in der leo. – Level-One Studie der Universität Hamburg erstmals umfassend ermittelt. Im Jahr 2019 erschien die Folgestudie LEO 2018, die die Zahl der gering literalisierten Menschen in Deutschland mit 6,2 Millionen beziffert. Als gering literalisiert werden Menschen in der Studie LEO 2018 dann bezeichnet, wenn sie höchstens einfache Sätze lesen und schreiben können. Die an der Universität Hamburg von Prof. Dr. Anke Grotlüschen durchgeführte Studie wählt nunmehr diesen Begriff, um den Fokus mehr auf die lese- und schreibbezogenen Praktiken zu legen, die funktionale Analphabetinnen und Analphabeten anwenden oder eben nicht. Lesen und Schreiben sind wichtige Grundkompetenzen, um am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. Privat schreiben Menschen täglich im Alltag und kommunizieren beispielsweise in sozialen Netzwerken. Es gibt kaum Berufe, in denen keine Lese- und Schreibkenntnisse benötigt werden. Betroffene arbeiten deshalb überdurchschnittlich oft in prekären Arbeitsverhältnissen mit geringem Einkommen und wenig Aufstiegschancen. Sie verstecken ihre Schwäche oft und fühlen sich häufig gesellschaftlich ausgeschlossen und stigmatisiert. Sich zu seinem Problem zu bekennen, ist ein erster wichtiger Schritt. Motivation, um besser lesen und schreiben zu lernen, schöpfen diejenigen, die in Kursen lernen, oft, wenn sich Lebensumstände ändern oder wenn sie beruflich weiterkommen/aufsteigen möchten/sich beruflich verbessern möchten.

Wofür?
Die gute Nachricht ist: Das Lesen und Schreiben kann auch im Erwachsenenalter noch gelernt bzw. verbessert werden. Volkshochschulen und einige private Anbieter sowie Vereine bieten Lese- und Schreibkurse für Erwachsene an. Doch nicht einmal ein Prozent (0,7 %) der 6,2 Millionen Betroffenen lernt jährlich in diesen Kursen. Typische schriftliche Mittel der Öffentlichkeitsarbeit wie Programmhefte und Flyer erreichen sie kaum. Ein Großteil der Bevölkerung weiß, dass es Lese- und Schreibkurse gibt. Die wenigsten wissen aber, wie diese Kurse genau aussehen und was dort gelernt werden kann. Über (potentielle) Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer gibt es viele Vorurteile. Das ALFA-Mobil setzt sich mit diesen Vorurteilen auseinander, um sie abzubauen. Dazu setzt es auf fundierte Informationen und die ehrenamtliche Mitwirkung von Lernbotschafterinnen und Lernbotschaftern, also ehemaligen Betroffenen, die von ihrem Lebensweg sowie von Hemmnissen/Hürden beim Lesen und Schreiben lernen erzählen.

In welchem Kontext?
Seit 2012 arbeiten zentrale gesellschaftliche Akteure in einer Nationalen Strategie für Alphabetisierung und Grundbildung zusammen, die 2015 in eine Nationale Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung (AlphaDekade) überführt wurde. In zahlreichen Projekten werden Maßnahmen ergriffen, um den Zielen der Strategie näher zu kommen. Es können bereits Erfolge verzeichnet werden: Zum Beispiel haben sich bundesweit regionale und lokale Netzwerke gebildet. Die aktuelle Kampagne „Lesen und Schreiben macht stolz“ und die beim BVAG angesiedelten Projekte iCHANCE und ALFA-Mobil erreichen die Zielgruppe auf mehreren Wegen: In Zeiträumen, in denen die Kampagne aktiv in die bundesweiten Medien eingebunden ist, steigen die Anrufzahlen beim Beratungstelefon ALFA-Telefon um mehr als das Dreifache. 2015 hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung eine Dekade für Alphabetisierung ausgerufen, um die Lese- und Schreibfähigkeiten von Erwachsenen in Deutschland deutlich zu verbessern.

Wie?
Mit dem ALFA-Mobil werden die Kampagnen nun durch Aufsuchende Beratung unterstützt. Zusammen mit Bildungsanbietern informieren die Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter die Öffentlichkeit und bieten eine niedrigschwellige Beratung für Betroffene an. Hemmungen der Betroffenen können im persönlichen Gespräch abgebaut werden. Auch das mitwissende Umfeld wird erreicht: „Wir können Nachbarn, Freunden oder auch Ärzten und Chefs Tipps geben, wie sie Menschen ansprechen können, bei denen sie Probleme mit dem Lesen und Schreiben vermuten“, erklärt Projektleiter Tim Henning. „Die besten Botschafter für Kurse sind natürlich Kursteilnehmer selbst“, sagt Projektmitarbeiterin Agnieszka Jaworski. Deshalb werden viele der bundesweit geplanten ALFA-Mobil-Aktionen von (ehemaligen) Betroffenen begleitet. Besser lesen und schreiben zu können, steigert für viele von ihnen nicht nur die Arbeitsmarktchancen, sondern auch das Selbstwertgefühl. Am ALFA-Mobil finden Sie Fachinformationen, Kontaktdaten von Bildungsträgern, Hinweise auf Informations- und Bildungsangebote sowie Ansichtsexemplare von Unterrichtsmaterialien und leicht lesbarer Lektüre. Bei Sprachrätseln oder beim Stadt, Land, Fluss-Spielen am Glücksrad können Besucherinnen und Besucher entdecken, wie viel Spaß Lesen und Schreiben bringen können, und dabei kleine Preise gewinnen. Kursleitende, Jobcenter-Mitarbeiterinnen und -mitarbeiter und alle weiteren Interessierten sind eingeladen, sich am ALFA-Mobil auszutauschen und lokale Ideen zu diskutieren oder Projekte anzustoßen.

Wer?
Träger des Projektes ist der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V. Der Verein bedient das aus TV-Werbespots bekannte ALFA-TELEFON und pflegt eine bundesweite Kursdatenbank. Darüber hinaus fördert er in zahlreichen weiteren Projekten das Lesen und Schreiben. Die Vereinsarbeit wird durch Mitgliedsbeiträge, Spenden sowie Verkaufserlöse finanziert. Ernst Klett Sprachen sowie zahlreiche weitere Kooperationspartner unterstützen den Verband. Das Projekt „Aufsuchende Beratung am ALFA-Mobil“ wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (Förderkennzeichen W139601).

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